Konsolen.net > Tests > GameCube: Eternal Darkness

tests

Eternal Darkness

geschrieben von Torsten Edelmann

Hersteller: Silicon Knights
Genre: Survival Horror
System: GameCube, PAL-Version
Besonderheiten: 12 verschiedene Charaktere quer durch die Geschichte
USK (ESRB): ab 16 Jahre
Spieler: 1
Testmuster von: Eigenkauf

Die Realität...für viele das, was sie jeden Tag sehen und Leben. Doch hinter der Realität, zwischen den Schatten und dem Licht, gibt es etwas, von dem kaum jemand etwas weis und das so gut wie niemand glauben würde. Die Uralten bewegen sich unter uns und korrumpieren alles, mit dem sie in Berührung kommen.

So oder so ähnlich könnte man die Stimmung und die Hintergrundgeschichte des seit langem erwarteten Eternal Darkness beschreiben. Das Horroradventure, das nicht umsonst von allen Seiten als eine spielbare Lovecraft-Geschichte beschrieben wird, ist nun endlich auch auf deutschen Gamecubes spielbar und entzückt durchgehend, soviel sei schon vorab verraten.

Die Geschichte von Eternal Darkness beginnt mit einem Mord in einem alten Herrenhaus. Dort steuern wir Alexandra Roivas, deren Großvater kurz zuvor tot und vor allem kopflos aufgefunden wurde. Alexandra ist fest entschlossen den Tod ihres Großvaters aufzuklären, und so macht sie sich auf die Suche nach Hinweisen die im gesamten Haus verstreut sind.

Schon bald darauf stoßen wir auf das geheimnisvolle "Book of Eternal Darkness", um das sich fortan alles drehen wird. Denn in diesem Buch sind kapitelweise verschiedene Ausschnitte aus der Geschichte der Menschheit beschrieben während derer eine Person mit dem Book of Eternal Darkness und damit auch mit den Uralten in Berührung kam. Die Seiten des Buches sind quer im Haus verstreut und jedes mal wenn Alexandra eine der Seiten findet und das neue Kapitel liest, wechselt die Szene und wir steuern die Person aus dem Kapitel. So durchreisen wir sämtliche Zeitalter (von 26 vor Christus bis ins heute) und steuern insgesamt 12 recht unterschiedliche Charaktere (vom antiken römischen Centurio Pius Augustus, der auch in späteren Kapiteln noch eine tragende Rolle spielen wird bis hin zum modernen Feuerwehrmann im Golfkrieg mit Namen Michael Edwards).


Eternal Darkness - die Roivas Familie
Die drei Mitglieder der Roiva Familie, die im Laufe der Zeit mit dem Book of Eternal Darkness in Berührung kommen. Von links nach rechts: Alexandra Roivas, Dr. Maximilian Roivas und Alexandras Großvater Dr. Edward M. Roivas.

Ein interessanter Nebeneffekt des Lesens ist, dass Alexandra all die Fähigkeiten lernt, die die verschiedenen Charaktere innerhalb ihrer eigenen Kapitel lernen. Lernt jemand einen neuen Zauberspruch, so lernt auch Alexandra ihn und kann ihn nach Beendigung des Kapitels selbst einsetzen. Dadurch kann sie nach und nach immer neue Räume im Haus besuchen und somit auch neue Kapitel finden, die ihr wieder neue Erkenntnisse bringen.

Das eben erwähnte Magiesystem basiert auf einem einfachen aber gut durchdachten Runensystem. Sobald man genug verschiedene magische Runen gefunden hat kann man durch Kombinationen verschiedener Runen einen Zauberspruch erlernen. Wer eher dem Spiel folgen möchte findet Schriftrollen, die einen Spruch erklären, der dann auch meist bald im Spiel benötigt wird. Experimentierfreudigere Spieler probieren selbst Runenkombinationen aus und finden so eventuell Zaubersprüche lange bevor sie im Spiel selbst auftauchen. Hinzu kommt, dass jeder Zauberspruch eine „Färbung“ bekommt, indem er einem bestimmten Uralten zugewiesen wird. Da die Uralten unterschiedliche Fähigkeiten haben und in einer Art Stein-Schere-Papier Beziehung zueinander stehen kann das mitunter recht interessante Effekte haben. So heilt ein roter „Recover“ Zauber Hitpoints während ein grüner die geistige Gesundheit der Spielfigur wieder herstellt.

Womit wir elegant zu einem der wichtigsten, lustigsten, erschreckendsten und vor allem Innovativsten Punkte von Eternal Darkness gekommen wären. Jede Figur besitzt neben einer Leiste für Hitpoints und einer Leiste für magische Energie auch noch ein sogenanntes „Sanity Meter“. Dieses zeigt die geistige Gesundheit der Figur an. Jedes mal, wenn eines der (vielen) Monster den Charakter ansieht verliert dieser mehr oder weniger viel von seiner geistigen Gesundheit. Je weniger er davon hat, desto merkwürdigere Effekte entstehen. Glocken erklingen, es ertönen plötzlich weinende oder schreiende Stimmen, Blut tropft von den Wänden ... und noch so einiges mehr, was hier nicht verraten werden soll, um nicht den Spielspaß zu verderben. Es sei nur soviel vorweg gesagt: die Programmierer von Eternal Darkness haben nicht halt gemacht bei simplen Graphikeffekten. Vielmehr ist es ihnen gelungen tatsächlich die Brücke zwischen Spielfigur und Spieler zu überqueren und mit so manchem Insanity Effekt dem Spieler selbst (!) eine gehörige Portion Angst einzujagen. Aber lasst euch davon selbst überraschen. Die verlorene geistige Gesundheit kann man mit Magie oder heilenden Gegenständen zurückgewinnen, aber auch indem man besiegten Monstern noch einen letzten Vernichtungsschlag mitgibt.


Karim
Karim, eine weitere der spielbaren Figuren, wird mit diesem Schwert und seinem Leben dafür sorgen, daß kein Bösewicht Hand an das Book of Eternal Darkness legen wird...

Überhaupt ist das Kampfsystem gut durchdacht. Die historisch korrekten Waffen lassen sich gut einsetzen und im Gegensatz zu z.B. Resident Evil kann man in Eternal Darkness durchaus auch mit Nahkampfwaffen gute Effekte erzielen. Dabei kann man entweder „nur so“ zuschlagen, was für gewöhnlich in einer zwei- bis dreiteiligen Komboattacke mündet, oder aber man kann gezielt eines von vier Körperteilen (Körper, Linker Arm, Rechter Arm, Kopf) angreifen, was oft Sinn macht. So kann ein kopfloser Zombie nur noch ziellos um sich schlagen, was man vor allem bei großen Gegneransammlungen gut nutzen kann, da die Monster nicht davon absehen sich, wenn sie nichts mehr sehen können, gegenseitig anzugreifen.

Graphisch sieht Eternal Darkness hervorragend aus. Beim ersten Einschalten hat man zwar den Eindruck dass die Figuren etwas polygonarm sind, aber schon nach kurzer Zeit ist man so in die Story eingebunden, dass man davon kaum etwas mitbekommt. Umso wunderschöner sind die Räumlichkeiten gelungen, und was Silicon Knights an Mimik und Gestik in die Figuren gelegt hat sucht wahrlich ihresgleichen. Noch besser ist der Sound gelungen. Die Hintergrundmusiken sind stimmig und erzeugen ein wohliges Schauern, die Umgebungslaute und die Insanity Effekte sind wundervoll erschreckend. Verschiedene Charaktere mit verschiedenem Schuhwerk erzeugen natürlich auch verschiedene Schrittgeräusche auf den unterschiedlichen Untergründen.

Das alles zeugt von einer unglaublichen Liebe zum Detail, die sich auch durch das ganze Spiel hindurch zieht. Das beginnt bereits mit dem oben erwähnten Pius Augustus, der im Intro seines Kapitels die ersten paar Sätze in Latein spricht, da er ja nun mal ein römischer Soldat ist. Die Spielfiguren drehen ihre Köpfe, wenn ein plötzliches Geräusch in ihrer Nähe ertönt, sie fangen an zu schnaufen und zu keuchen, wenn man sie zu lange Strecken rennen lässt, und alte oder dicke Figuren können bei weitem nicht so schnell oder lange rennen wie junge und gut durchtrainierte. Einer der Charaktere führt Bericht über die Anatomie der Monstren auf die er trifft, und die deutliche Hinweise für die beste Art der Bekämpfung enthält. Man merkt dem Spiel an, dass eine lange Entwicklungszeit investiert wurde, und dass die Entwickler es als ihr geliebtes Kind ansehen.

Umso erfreulicher ist es, dass Nintendo diesmal jegliche technische Entscheidung richtig getroffen hat. Man hat die hervorragenden englischen Sprecher beibehalten und nicht durch hilflos schlechte deutsche Sprecher ersetzt (es gibt aber deutsche Untertitel für die, die des englischen nicht mächtig sind), man hat dem Spiel einen 60 Hertz Modus gegönnt, einen 16:9 Modus, DTS Surround Sound ... so ziemlich alles, was das Spielerherz begehren mag. Gratulation Nintendo, endlich einmal werden die deutschen Spieler nicht wie Kunden zweiter Wahl behandelt. Bitte weiter so.

fazit

Wer sich auch nur ein bisschen für das Genre des Survival Horror erwärmen kann, für den darf kein Weg an Eternal Darkness vorbeiführen. Silicon Knights haben eine sehr dichte und spannende Story in ein hervorragendes Programm gepackt bei dem sich auch mehrmaliges Spielen noch lohnt. Da gibt es nur eine Entscheidung: zugreifen und loslegen!


grafik: 9.5 | sound: 10.0 | gameplay: 10.0 | gesamt: 10.0
Copyright 1996-2017 bei Jochen Rentschler. Alle Rechte vorbehalten.