Konsolen.net > Tests > GameCube: Metroid Prime

tests

Metroid Prime

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: Retro Studios; Nintendo
Genre: Action-Adventure
System: GameCube, PAL-Version
Besonderheiten: benötigt Speicherkarte (3 Blöcke); 60 Hz; Samus Arans längst überfälliger Sprung in 3D
USK (ESRB): Geeignet ab 12 Jahren
Spieler: 1
Testmuster von: eigene Anschaffung

Zwei seiner bekanntesten Serien hat Nintendo bereits zu Nintendo 64 Zeiten in der Vergangenheit erfolgreich ins 3D Polygongewand überführt. Der Spielspaß mußte darunter nicht leiden. Ganz im Gegenteil. Was Link und dem bekannten Klempner Mario vergönnt war, ließ für Samus Aran Heldin der "Metroid" Reihe auf sich warten. Das hat jetzt den Retro Studios seis gedankt mit der Veröffentlichung von "Metroid Prime" ein Ende. Ob das Spiel an vergangene 8 und 16-Bit Großtaten in Sachen Fun anknüpfen kann?

Samus Aran hat es in die Nähe eines Planeten verschlagen, auf den ihre Erzfeinde die Space Pirates, die ihre Eltern auf dem Gewissen haben, ein besonderes Augenmerk geworfen haben. Als sie auf einem Großkampfschiff der bösen Buben im Orbit andockt, wird sie Augenzeuge einer Katastrophe: das große Raumschiff ist heftigst demoliert, fast alle Systeme sind ausgefallen. Als wäre das nicht schon schlimm genug, explodiert der gesammte Stahlkoloss, nachdem Samus einem kleinerern Bossgegner den Gar ausgemacht hat und damit die Selbstzerstörung aktivierte. Bei der Flucht entdeckt sie ein geflügeltes drachenähnliches Ungeheuer. Samus Aran nimmt die Verfolgung auf als es im Dunst der Atmosphäre des benachbarten Planeten spurlos verschwindet.

Prolog im Raumschiff
Eure ersten Erfahrungen als weiblicher Action-Held sammelt ihr in dem kurzen Prolog an Bord des angeschlagenen Raumschiffes. Es gilt sich vor allem mit der für Action-Fans ungewöhnliche Steuerung vertraut zu machen und erste Eindrücke von Samus Fähigkeiten zu sammeln. Denn obwohl ihr euer Abenteuer meist in Ego-Perspektive erlebt, vermißt ihr zunächst einmal die gewohnte zwei Stick-Steuerung anderer Action Titel, wie "Medal of Honor: Frontline" oder "007 Nightfire". Nur der graue Control-Stick läßt Samus voran schreiten oder sich drehen. Betätigt ihr den gelben Kamerastick rührt sich nichts. In den ersten Spielminuten ist das eine recht große Umstellung, die aber relativ schnell in Fleisch und Blut übergeht.

Metroid Prime GameCube
Samus Aran im Prolog auf dem zum Teil klaustrophobisch engen Raumschiff der Space Pirates. Im Hintergund seht ihr eine Tür, die sich bei Beschuss öffnet.

Haltet ihr den rechten Schulterbutton gedrückt, seht ihr euch um ohne dass ihr euch dabei bewegt. Strafen funktioniert mit gedrücktem L-Button. In Kämpfen bewirkt L ebenfalls höchst Nützliches, da ihr ähnlich wie in "Legend of Zelda: Ocarina of Time" einen Gegner fest im Visier gelockt behaltet, so dass er sich bei Bewegungen eures virtuellen Alter Egos immer im Fadenkreuz eurer Waffe befindet. Mit dem digitalen Steuerkreuz und dem gelben Kamerastick wechselt ihr zwischen Waffen und unterschiedlichen Helmvisieren. Samus Aran hat schließlich wieder eine Menge nützlicher Extras in ihrem Raumanzug eingebaut.

Multifunktionale Laserwaffe
Da wäre zunächst einmal die obligatorische Multifunktionswumme, die sich eure Heldin über die rechte Hand gestülpt hat. Zu Beginn eures Abenteuers auf dem Planeten verschießt sie nur einfache Lasergeschosse. Ein paar hart erkämpfte Upgrades später kommen unter anderem Eis- oder Elektroprojektile hinzu. Wechseln der Munition (via gelbem Kamerstick) ist nicht nur wegen Bekämpfung verschieden empfindlicher Gegner anzuraten, sondern auch um sich Zugang zu Räumen zu verschaffen. Türen öffnen sich nur durch Beschuss. Mal ist es egal mit welchem Projektil, mal muss ein bestimmte Art ran. Durch längeres Drücken des Schuss-Buttons ladet ihr eure Wumme auf und verschießt stärkeres Kaliber. Voll aufgeladen entsteht ein Sog-Effekt, der Lebensenergie spendende Heals oder Muntionsnachschub aus größerer Entfernung ansaugt.

Metroid Prime GameCube
Ziemlich heiß hier. Und dann auch noch dieses Lava Monster. Hoffentlich hat Samus ihren hitzebeständigen Raumanzug eingepackt.

Noch kräftigeren Bumms gefällig? Kein Problem nach Auffinden des richtigen Extras. Als Zweitbewaffnung verfügt Samus Aran über Raketen. Diese lassen sich mit dem aufgeladenen Beam eurer Waffe kombinieren für noch mehr Durchschlagskraft - natürlich erst dann, wenn ihr das richtige Waffenupdate ... aber das hatten wir schon. Problem: Dabei gehen meist mehrere Raketen auf einmal drauf, wovon eure Heldin nur einen begrenzten Vorrat hat. Frischt ihn mit Nachschub auf den erledigte Gegner oder zerbröselte Kisten zurücklassen. Zudem sind massig Expansions auf dem Planten versteckt, die die maximale Anzahl der mitgeführten Raketen aufstockt. Zu Beginn trägt Samus nur maximal fünf Exemplare mit sich herum. Gegen Ende darf sie sich mit über einhundert und mehr abschleppen.

Mein Scanner und ich
Im Helmvisier des Raumanzuges ist standardmäßig ein Scanner eingebaut, der Aufschluss über wichtige Dinge gibt, die euch in eurem Abenteuer so über den Weg laufen. Werft ihr den Scanner mit dem digitalen Steuerkreuz an erhaltet ihr zum Beispiel wichtige Informationen über anstürmende Gegner. Dabei müsst ihr das zu scannende Objekt mehrere Sekunden im Visier behalten. Während des Scannens seit ihr selbst hilflos, da ihr nicht schießen könnt. Aber es schadet schließlich nicht vorher zu wissen, gegen welche Waffe euer Angreifer besonders empfindlich ist. Gerade bei den Bossgegnern eine unschätzbare Hilfe. Scannt darüber hinaus fleißig in eurer Umgebung herum um zum Beispiel verschlossene Türen oder Vorrichtungen zu öffnen sowie schlicht Infos zur Hintergrundgeschichte zu ergattern. Hilft der normale Scanner nicht weiter, decken vielleicht im weiteren Spielverlauf zu findendende Spezialvisiere ansonsten nicht erkennbare Schalter oder Gegner auf.

Metroid Prime GameCube
Samus kugelt als Morphing Ball an dem Schienensystem entlang, das an einigen Stellen den Weg zu Geheimräumen oder neuen Schauplätzen weist.

Wer die 8 oder 16-Bit Abenteuer kennt, erinnert sich an Samus Aran besondere Fähigkeit sich zu einer runden Kugel zusammenballen zu können und wie eine Flipperkugel durch die Level zu rauschen. Auch in "Metroid Prime" untersucht ihr Abschnitte in dieser Morphing Ball Form. Dabei wird die Kameraperspektive von der Ego- in eine Third-Person Ansicht umgeschaltet. Auch der Morphing Ball erfährt im weiteren Spielverlauf einige Verbesserungen. Findet ihr das richtige Extra legt ihr Bomben, gebietet über eine noch bessere Superbombe, bewegt euch auf einem speziellen Einschienensystem oder beschleunigt kräftig um in Half-Pipe ähnlichen Stellen höher gelegene Bereiche zu erreichen.

In rollender Mission
Samus Aran bewegt sich auf dem Planeten Tallon IV, auf dem sie nach dem Prolog auf der Raumstation landet, frei umher. Warum und weshalb bleibt zunächst im Dunkeln. Die Hintergrundgeschichte rund um die Space Pirates und das Schicksal der Ureinwohner des Planeten erschließt sich erst später durch fleißiges Scannen. Sagte ich "frei umher"? Das ist nicht ganz richtig, hat sie doch nicht von Beginn an Zutritt zu allen Bereichen. Tallon IV besteht aus mehreren mit Aufzügen verbundenen Sektoren. Ihr durchstreift eine zerfallene weit verzweigte Tempelanlage, eine feucht-schwüle tropische Oberfläche, heiße Lavahöhlen, einen Minenbereich und einen Eis- und Schneesektor. Typisch "Metroid" ebend. Zutritt zu noch unerforschten Territorium verschafft ihr euch, wie in einem Action-Adventure üblich, durch den Einsatz bestimmter Ausrüstungsgegenstände.

Metroid Prime GameCube
Es schneit auf Tallon IV. Ein optisches Gimmick, das spielerisch keine Bedeutung hat. Ist aber trotzdem hübsch anzusehen.

Das können neue Waffenupgrades sein oder ein weiterer Raumanzug mit besonderen Eigenschaften. Wenn zum Bleistift Lava durch die Gegend fließt, ist es naturgemäß sehr heiß. Da ist ein kühlender Spezialanzug unerläßliche Voraussetzung für eine sichere Begehung. Spezialstiefel lassen euch höher oder weiter weg gelegene Plattformen erreichen. Eine Art Laserpeitsche ausgepackt und ihr schwingt euch wie Pitfall Harry durch die Gegend. Wollt ihr auch unter Wasser getaucht große Sprünge machen benötigt ihr wiederum einen anderen Spezialanzug. Jede der neuen Fähigkeiten läßt euch in bereits erforschtem Gebiet immer wieder Secrets entdecken. Raketenerweiterungen und Energie Tanks, die die maximale Lebenenergie eurer Heldin aufstocken, findet ihr meist gut versteckt auf eurer Wanderschaft. Waffenupgrades, neue Anzüge oder Morphing Ball Erweiterungen dagegen müßt ihr euch in aller Regel in Duellen gegen harte Bossgegner in Schweiße eures Angesichts erkämpfen.

Die Rückkehr der Besiegten
Auch sonst machen euch Flora und Fauna von Tallon IV das Leben nicht gerade einfach. Eine Menge Lebensformen warten nur darauf euch in einem unaufmerksamen Augenblick anzugreifen. Einige entledigt ihr euch relativ leicht, da sie sich gar nicht oder nur langsam bewegen. Andere, wie diverse genetisch für den Kampf aufgepeppte Space Pirates, erledigt ihr nur mit schnellen Reaktionen und der richtigen Waffe. Dazwischen gibt es immer wieder Rätseleinlagen, die es für das Weiterkommen oder die Erlangen eines nützlichen Extras zu lösen gilt. Dabei geht es meist darum, entweder einen bestimmten Bereich zu scannen oder einen Schalter per Beschuss zu aktivieren. Aber auch einige knackige Logikrätsel gilt es zu meistern. Gespeichert wird an bestimmten Speicherpunkten, an denen zugleich auch eure Lebensenergie wieder aufgefrischt wird. In eurem Raumschiff und an einigen wenigen Ladestationen dürft ihr zudem euren Raketenvorrat wieder komplettieren.

Metroid Prime GameCube
Die Käferart, die euch hier zusetzt, gehört zu den einfacheren Gegnern, die euch während eures Forschungstripps über den Weg laufen werden.

Geht es zunächst recht linear zu, gibt es schon nach kurzer Spielzeit viele Verzweigungen in der großen Spielwelt von Tallon IV. Das bringt einige Lauferei mit sich, die dadurch erschwert wird, dass bei erneutem Betreten eines bereits von Feinden gesäuberten Abschnittes die Gegner wieder auftauchen. Und beileibe nicht immer nur dasselbe Kanonenfutter. Vielmehr patrouilliert nach Erlangung neuer Extras härteres Kaliber in bereits erkundeten Gebieten. So gibt es auch ein Wiedersehen mit so manchem Bossgegner. Ab und an taucht eine Meldung auf, dass ein besonderer Bereich erkannt worden ist. Ein Hinweis darauf, wo es demnächst wichtige Ausrüstung zu ergattern gibt. Eine detaillierte Karte beugt ziellosem Herumirren vor. Praktisch: Es werden alle Türen angezeigt und mit welcher Waffe sie geöffnet werden können.

Seltsame Artefakte
Da euch eine Menge an Informationen auf eurem Abenteuer über den Weg laufen solltet ihr ab und an mal einen Blick ins umfangreiche Pausenmenü werfen. Hier werden alle bereits erhaltenen Informationen zu Gegnertypen, Waffen oder Geschichte und Artefakte der Ureinwohner festgehalten und für späteres Nachschlagen aufbereitet. Die Artefakte erweisen sich als überaus wichtig, da ihr nur durch das Auffinden aller zwölf dieser Heiligtümer das Spiel meistern könnt. Darum ist es sehr wichtig, dass ihr möglichst viel in der Gegend herumscannt um Hinweise zum Aufbewahrungsort der einzelnen Artefakte zu erlangen. Das die meisten davon dann nicht einfach nur im Vorbeigehen sondern erst nach erbittertem Widerstand eurer Gegner in euren Besitz gelangen sollte euch nicht verwundern.

Metroid Prime GameCube
Mitten in einem heftigen Bossgegnerkampf. Dumm, dass eurer Gegner aus Felsen besteht und nur an einer bestimmten Stelle verwundbar ist. In normaler Sicht ist das aber nicht zu erkennen. Vielleicht mit einem anderen Visier?

Optik und Akustik von "Metroid Prime" sind vom Feinsten. Abwechslungsreiche Locations, die vor lauter liebevoller Details nur so strotzen flimmern mit vielfältigen Texturen über den Bildschirm. An Spezialeffekten wurde ebenfalls nicht gespart. Verblüffend echt wurde zum Beispiel eingefangen, wenn Flüssigkeiten auf das Visier tropft. Das passiert öfter, wenn ihr zum Beispiel bei einem kleinen Tauchgang die Wasserobefläche durchstößt oder mitten durch einen Wasserfall schreitet. Die Explosions- und Waffeneffekte sind ebenfalls herausragend. Jede Waffe verschießt ein unterschiedlich in Szene gesetztes Projektil. Ruckler oder Stotterer glänzen durch Abwesenheit egal ob bei 50 oder 60 Hz. Untermalt wird das Ganze von einem sehr atmosphärischen Soundtrack, der sich zunächst unaufdringlich in eure Gehörgänge schleicht, dann aber schnell Ohrwurmqualität entfaltet.

In allen Belangen Top
Kleine Extras erwarten auf den, der Samus Aran erfolgreich über Tallon IV lotst. Ihr werdet zum Beispiel für besonders fleißiges Scannen belohnt. Habt ihr mindestens 50 Prozent aller scannbaren Objekte eurem scharfen virtuellen Blick ausgesetzt winkt eine kleine Bildergallerie. Eine weitere winkt bei 100 Prozent. Eine wahre Sisyphusarbeit, zumal einige Objekte und Gegner nur einmal im ganzen Spiel auftauchen. Habt ihr einen Game Boy Advance samt "Metroid Fusion" zur Hand gibts ein kleines Leckerlie für Nostalgiefans: Das erste NES "Metroid", mit der Samus Aran ihren Nintendo Siegeszug begann. Habt ihr das Geheimnis von Tallon IV und der Space Pirates schließlich aufgedeckt und den finalen Endgegner besiegt wartet ein härtere Schwierigkeitsgrad auf "Metroid Prime" Veteranen. Einen einstellbaren Schwierigkeitsgrad gibt es ansonsten nicht.


Kleine Anmerkung in eigener Sache
Da ich nach dem US-Import mittlerweile der deutschen Version ausführlich auf den Zahn fühlen konnte, bezieht sich dieser leicht überarbeitete Test auf die deutsche Version des Action-Adventures. Habt ihr einen Freeloader oder ein Action Replay könnt ihr aber auch bedenkenlos den US-Import auf eurer PAL-Konsole verwenden. Dann müßt ihr allerdings mit englischen Texten vorlieb nehmen. Bei einigen Artefaktlagebeschreibungen sind gute Englischkenntnisse nötig.

fazit

Habt ihr euch erst einmal an die ungewöhnliche Steuerung gewöhnt wartet ein absolutes Spielehighlight auf euch. Kein anderes Action-Adventure - mal abgesehen von der kommenden Zelda Ausgabe, deren Japanausgabe ich bereits anspielen konnte - wird euch dermaßen in seinen Bann schlagen, wie Retro Studios Meisterwerk. Warum? Herausragende Grafik, praller Sound mit eingängiger Musik und ein Spielprinzip, das nahtlos an den 16-Bit Überflieger "Super Metroid" anschließt. Fast jede Räumlichkeit hält Geheimnisse bereit, die durch flinke Finger und reichlich Gehirnschmalz auf ihre Entdeckung harren. Zudem erwartet euch eine vielfältige Gegnerschar und herausfordernde Endgegnerduelle. Wer sich bisher nicht zum Kauf eines GameCubes überwinden konbte, hat mit der Veröffentlichung von "Metroid Prime" den ultimativen Anreiz. Schließlich ist Samus Arans Abenteuer auf Tallon IV eines der fesselndsten je veröffentlichten Videospiele überhaupt (sag).


positiv:

  • fesselnde Inszenierung
  • athmosphärischer Soundtrack
  • herausfordernde Bossgegner
  • grandiose Optik
  • massig Geheimnisse zu erforschen
negativ:
  • viel Lauferei
  • gewöhnungsbedürftige Steuerung


grafik: 9.5 | sound: 9.0 | gameplay: 10.0 | gesamt: 10.0
Copyright 1996-2017 bei Jochen Rentschler. Alle Rechte vorbehalten.