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Forza Motorsport

geschrieben von Sascha Gläsel

Hersteller: Microsoft Game Studios
Genre: Rennspiel
System: Xbox, PAL-Version
Besonderheiten: Gran Turismo Konkurrent, unterstützt Xbox Live, kpl. deutsch
USK (ESRB): ohne Altersbeschränkung
Spieler: 1 - 8 (LAN/Live)
Testmuster von: eigene Anschaffung

Nun ist er also endlich da, Microsofts Konkurrent zur beliebten Gran Turismo Reihe. Zwar mit weniger Strecken und Autos als das enorm umfangreiche Gran Turismo 4, dafür aber mit einem Onlinemodus. Wie sich Microsofts simulationslastiger Racer spielt, erfahrt ihr an dieser Stelle.

Der Einstieg gelingt euch in Forza Motorsport einfacher als in Polyphony Digitals Edelraserei. Ihr müßt euch nicht durch Dutzende von Fahrprüfungen quälen, bevor ihr in der Karriere loslegen dürft, sondern steigt gleich in den Rennalltag ein. Ihr bekommt ein kleines Startkapital spendiert, mit dem ihr einen ansehnlichen Flitzer kaufen könnt. Mit diesem beginnt ihr eure hoffentlich einträgliche Karriere. Allerdings ist die Auswahl an Rennen zunächst sehr klein. Wie im großen Vorbild wollen eine Menge Veranstaltungen erst herausgefahren werden. Viele Rennen sind dabei an Voraussetzungen geknüpft. Hier sind zum Beispiel lediglich spezielle Automodelle bestimmter Hersteller zugelassen, dort nur Fahrzeuge mit Mittelmotor und Heckantrieb oder Karossen, die vor 1975 gebaut wurden. Beschränkungen hinsichtlich Gewicht, Leistungsklasse oder PS-Zahl werden euch ebenfalls über den Weg laufen.

Forza Motorsport Xbox

Habt ihr einen passenden Wagen in eurer virtuellen Garage kann es auch schon losgehen. Die Startaufstellung des acht Flitzer starken Fahrerfeldes (eure Karosse inklusive) wird vom Computer ermittelt. Zu Beginn meßt ihr euch in Einzelrennen, entweder auf Rundkursen, darunter lizensierte Strecken wie Laguna Seca, Road America oder Silverstone, oder auf Abschnitten ähnlich einer Rallyprüfung die von Punkt A nach B führen. Dabei rast ihr eine Bergstrecke rauf oder runter, wuselt euch durch einen Stadtkurs mitsamt Ausflug in ein Hafengebiet oder klappert einen Teil der Nürburgring Nordschleife ab. Nach und nach schalten erfolgreiche Lenker weitere Wettbewerbe frei, in denen ihr dann auch in Meisterschaften über mehrere Rennen auf verschiedenen Kursen antretet oder in längeren Ausdauerrennen samt Reifenverschleiß und Boxenstops eure Runden dreht. Für den Levelaufstieg und damit Zugang zu weiteren Veranstaltungen kommt es auf euren virtuellen Geldbeutel an.

Geld schaltet frei
Schließlich erhaltet ihr für Erfolge in Karriererennen ordentlich Preisgelder, die aufsummiert euch Level aufsteigen lassen. Wieviel ihr einstreicht hängt nicht nur von eurer Platzierung ab, sondern auch vom Schwierigkeitsgrad und den eingeschalteten Fahrhilfen. Anfänger nutzen die Vorteile von standardmäßig eingeschaltetem ABS oder Traktionskontrolle und erleichtern sich so zum Beispiel die Beherrschung schwergewichtiger Hecktriebler. Die reagieren nämlich dank simulationslastiger Fahrphysik extrem nervös auf Gaseinsatz. Hilfreich auch eine eingeblendete Ideallinie, die euch zudem über ihre Farbgebung die wichtigen Bremspunkte vergegenwärtigt. Habt ihr diese Hilfen eingeschaltet, lenkt es sich deutlich bequemer. Ohne gibt es dafür einen prozentualen Aufschlag aufs Preisgeld. Zusätzlicher Extra Cash winkt, wenn ihr per manueller Gangschaltung fahrt oder mit voll eingeschaltetem Schadensmodell über den Asphalt brettert.

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Im Gegensatz zur Gran Turismo Reihe nehmen eure Boliden in Forza bei Rangeleien und unsanften Berührungen mit euren Kontrahenten oder Hindernissen Schaden. Leichte Berührungen zerkratzen euch lediglich den Lack. Schwere Mauereinschläge sorgen für kräftige Beulen und Dellen sowie zersprungene Windschutzscheiben oder herabhängende Stoßstangen. Dies beschränkt sich allerdings nicht nur auf grafische Effekte: Die Fahreigenschaften verschlechtern sich bei größeren Schäden zunehmend. Dank beschädigter Lenkung oder Aufhängung mit ständig seitlich einlenkenden Boliden über die Rennstrecke zu lavieren ist eine Sisyphusarbeit, die aggressiven Fahrern nur allzuschnell blüht - gelegentlich aber auch aufgrund der forschen Fahrweise der Computergegner.

Ausgeklügeltes Schadensmodell
Die machen euch das Leben schon im mittleren Schwierigkeitsrad auf der ein oder anderen Strecke schwer, gehen sie doch im Duell um Platz und Sieg recht aggressiv zu Werke. Vor allem nach längeren Geraden kommt es beim Anbremsen durchaus schon mal zu Berührungen und Auffahrunfällen, da sie in der Regel recht spät auf die Eisen steigen. Gelegentlich rempeln euch die Computerfahrer sogar von der Strecke. Dies geschieht vor allem dann, wenn sie einen Tick zu früh nach einem Überholmanöver auf die Ideallinie einschwenken. Einziger Trost: Auch untereinander fahren KI Lenker die Ellbogen aus oder bauen ab und an Fahrfehler, so dass gelegentlich ihr der Nutznießer seit. Fahrt trotzdem vorsichtig, schließlich kostet euch jeder Schaden an eurem Auto am Ende des Rennens bares Geld. Das wird euch nach der Zieldurchfahrt automatisch direkt von eurem Preisgeld abgezogen.

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Da Forza nicht über eine solch stattliche Anzahl an Rennstrecken wie Gran Turismo 4 verfügt, tretet ihr wieder und wieder auf denselben gut ein Dutzend Rundkursen an. Von den meisten Rennstrecke gibt es zusätzlich eine kurze und eine lange Version, einige befahrt ihr auch in der Gegenrichtung. Die Anzahl der zu drehenden Runden nimmt im späteren Spielverlauf zu. Sagt euch eine Strecke nicht zu, schickt euren Drivatar an den Start. Ihr zieht euch diesen KI-Fahrer durch Trainingsfahrten heran, der eure Stärken und Schwächen aufgrund eurer Fahrweise ermittelt. Mit ein bisschen Fleiß und exaktem Lenken züchtet ihr euch einen siegfähigen Driver Avatar heran, den ihr auf unliebsame Strecken schicken könnt. Der Haken: Eure Preisgelder schrumpfen bei Drivatar Siegen auf einen kleinen Bruchteil zusammen.

Ein bisschen Tuning gefällig?
Schafft ihr erste Plätze nicht mit Autos aus eurer Garage (neben Preisgeldern winken Siegfahrern zusätzliche kostenlose Karossen), wird es Zeit für einen Abstecher in den Tuning und Handelsbereich von Forza. Hier findet ihr nicht nur einen umfangreichen Malkasten für neue Lackierungen, sondern auch massig Tuningteile zum Aufrüsten eurer Boliden. Ihr müßt ja nicht gleich einen neuen Wagen kaufen, auch wenn Nobelmarken wie Porsche oder Ferrari mit ihren Edelkarossen locken. Mit ein wenig Kleingeld verschafft ihr euch über den Ankauf neuer Autoteile mehr Pferdestärken, besseres Handling oder kräftigere Beschleunigung für bereits in eurem Besitz befindlichen Flitzer. Selbstverständlich spielt ihr bei Bedarf auch an verschiedensten Einstellungen herum. Hier ein wenig am Getriebe geschraubt, dort ein wenig am Radsturz oder an der Federung und vielleicht lassen sich noch ein paar weitere Sekunden herausholen.

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Doch übertreibt es nicht. Macht ihr euren Wagen zu stark, dann werden einige Rennen langweilig. Wenn ihr mit einem im Vergleich zur Konkurrenz übermotorisierten PS-Monster schon kurz nach dem Start einige Sekunden Vorsprung herausgefahren habt, fehlt jegliche Herausforderung. Praktisch: Bereits vor Auswahl eines Wettbewerbes laßt ihr euch die Autos der Computerkonkurrenz anzeigen und habt so vorab schon einen Anhaltspunkt, ob euer Bolide eine Siegchance hat. Ist euer Wagen für den Wettbewerb nicht zugelassen, zeigt auch Forza alle geeigneten Karossen in eurer Garage auf Wunsch zur sofortigen schnellen Auswahl an. Das ist auch bitter nötig. Denn ansonsten erfolgt das Wechseln zwischen euren Rennern nur sehr umständlich. Da es keinen Direktlink zu eurer Garage und zurück zu den Rennen gibt, müßt ihr euch jedesmal umständlich erst durch verschiedene Menüs klicken.

Umständlicher Wagenwechsel, prächtige Optik
Entgegen erster Befürchtungen auf Grundlage der Forza Demo, bietet Microsofts neuester Raser eine detailreiche und stets flüssige Optik. Keine Ruckler, eine große Weitsicht und kaum wahrnehmbares Pop-Up trösten darüber hinweg, dass Forza lediglich mit 25 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm flimmert und nicht 50 bietet wie Gran Turismo 4. Das Geschwindigkeitsgefühl wird dadurch aber wie schon in Project Gotham Racing 2 nicht beeinträchtigt. Neben Umgebungsspiegelungen auf dem Lack gefällt bei den Autos vor allem das ansehnliche Schadensmodell. Vier Perspektiven stehen euch zur Auswahl. Zwei in der Ego-Ansicht (kein Cockpit) und zwei Verfolgerkameras. Anfängern seien die beiden letzteren ans Herz gelegt, da ihr hier mehr Übersicht genießt.

Forza Motorsport Xbox

Neben der Karriere haben Solisten noch die Möglichkeit Arcaderennen (unterteilt in verschiedene Fahrzeugklasen) zu bestreiten oder ein einzelnes Rennen anzugehen. Xbox Live Besitzer freuen sich über die Unterstützung von Microsofts Spieleonlinedienst. Dabei messt ihr euch nicht nur in harten Duellen mit bis zu sieben Mitspielern aus den Weiten des Internets, sondern dürft auch zusammen mit einem Kumpel oder einer Freundin online die Karriere bestreiten. Damit sich eure Karosse von den anderen unterscheidet, widmet euch dem umfangreichen Malkasten des Spieles, mit dem ihr eure Boliden individualisieren könnt. Dabei lassen sich erstaunliche Resultate erzielen, wenn ihr ein wenig Einarbeitung nicht scheut. Zum Schluss noch ein Wort zur Musik. Die mitgelieferte Mucke ist poppiges 08/15 Zeugs, kann aber sowohl während der Rennen als auch in den Menüs durch eigene Songs von der Festplatte ersetzt werden.

Bitte Beachten
Da ich nicht über Xbox Live verfüge, bezieht sich die abschließende Wertung ausschließlich auf den Spielspaß, den ich offline mit Forza Motorsport hatte

fazit

Forza Motorsport ist ein würdiger Gran Turismo 4 Konkurrent, mit dem rennspielbegeisterte Xbox Besitzer nicht viel falsch machen. Zwar wird der Umfang des großen Sony Vorbildes was Strecken und Autoanzahl angeht nicht erreicht - was entsprechend viel wiederholtes Antreten auf immer denselben Kursen bedeutet. Trotzdem stimmt der Umfang, was nicht zuletzt an den vielen, wenn auch nicht besonders abwechslungsreichen Wettbewerben liegt. Die tolle Optik gefällt ebenso, wie die ohne Fahrhilfen herausfordernde weil simulationslastige Fahrphysik. Für einen Nachfolger wünsche ich mir mehr Strecken und eine komfortablere Benutzerführung. Diese umständliche Klickerei bis man in die eigene Garage kommt hätte schließlich nicht sein müssen. Egal, dafür stimmt die Action auf dem Asphalt (sag).


positiv:

  • Schadensmodell vorhanden
  • Xbox Live Unterstützung
  • prächtige Optik
  • viele Strecken und Lizenzautos ...
negativ:
  • ... aber nicht so viel wie Gran Turismo 4
  • Benutzerführung ausbaufähig


grafik: 9.5 | sound: 7.0 | gameplay: 8.5 | gesamt: 9.0
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